Ein paar Gedanken von Morpheus
Wir sind von Kindheit an dressiert zu gehorchen, ohne zu wissen, worum es dabei geht. Je autoritärer unsere Eltern sind und je tyrannischer unsere Regierung und unsere Schulsysteme sind, umso mehr sind wir gezwungen – geformt seit unseren frühesten Jahren. Und ohne zu verstehen, warum wir tun sollen, was uns gesagt wird, gehorchen wir. Man schreibt uns vor, was wir denken sollen. Unser Geist wird von jedem Gedanken gesäubert, der nicht vom Staat oder von den lokalen Autoritäten gebilligt wird. Man hat uns nie gelehrt oder geholfen zu denken, etwas selbst herauszufinden, sondern man verlangt, das wir gehorchen. Der Pastor/Priester sagt uns, was vorgeschrieben ist, das religiöse Buch sagt uns, was vorgeschrieben ist, und unsere eigene innere Angst zwingt uns zu gehorchen. Wir sind verwirrt, wir fühlen uns verloren. Also gehorchen wir, denn wir sind gedankenlos. Wir wollen nicht denken, denn Denken ist beunruhigend. Um zu denken, müssen wir in Frage stellen, zweifeln, wir müssen selbst etwas herausfinden.
Und die älteren Leute wollen nicht dass wir fragen. Sie haben nicht die Geduld, unseren Fragen zuzuhören. Sie sind zu beschäftigt mit ihren eigenen Streitigkeiten, um ihren Ambitionen und Vorurteilen, mit ihren „Tu-das“ und „Tu-das-nicht“, mit Moral und Respektabilität. Und wir, die wir jung sind, haben Angst, etwas Falsches zu tun, denn wir wollen auch respektabel sein. Wir wollen nicht etwas tun, was anders ist, wir wollen nicht selbstständig denken, beiseite stehen, denn das ist sehr beunruhigend. Also schließen wir uns der Gruppe an. Wie alt wir auch sind, die meisten von uns gehorchen, folgen, ahmen nach, denn wir fürchten uns zuinnerst vor der Ungewissheit. Wir wollen gewiss sein, sowohl finanziell wie moralisch, wir wollen, dass man uns anerkennt. Wir wollen in einer sicheren Lage sein, geschützt sein, und nie mit Schwierigkeiten, Schmerz und Leiden konfrontiert werden. Es ist die Angst, bewusst oder unbewusst, die uns dazu bringt, den Meister, den Führer, dem Pastor, der Regierung zu gehorchen. Es ist die Angst, bestraft zu werden, die uns daran hindert, etwas zu tun, das anderen schadet. So lauert hinter all unserem Tun, unseren Begierden und Bestrebungen das Verlangen nach Sicherheit, dieser Wunsch, ungefährdet, abgesichert zu sein.
Einfach nur gehorchen, ohne frei von Angst zu sein, hat wenig Bedeutung. Was Bedeutung hat, ist, sich dieser Angst Tag für Tag bewusst zu sein, zu beobachten, wie sie sich auf verschiedene Art äußert. Nur wenn man frei von Angst ist, kann diese innere Qualität des Verstehens, dieses Alleinsein herrschen, in dem sich kein Wissen und keine Erfahrung angehäuft hat.
Religionen, wie wir sie kennen, besteht aus einer Reihe von Glaubensinhalten, Dogmen, Ritualen und abergläubischen Vorstellungen, sie ist die Anbetung von Götzenbildern, von Hexenzauber und Gurus, und wir denken, dass uns das alles zu irgend einem höherem Ziel führen wird. Das höchste Ziel jedoch ist unsere eigene Projektion, es ist das, was wir uns wünschen, wodurch wir glücklich zu werden glauben, eine Garantie für den schmerz- und todlosen Zustand. Gefangen in diesem Verlangen nach Gewissheit, erschafft der Geist eine Religion von Dogmen, von Priestern, von Aberglauben und Götzenanbetung, und darin stagniert er. Ist das Religion? Ist Religion eine Sache des Glaubens, eine Sache, die man aufgrund der Erfahrungen und Versicherungen anderer Leute akzeptiert oder weiß? Ist Religion nichts anders als das Befolgen von moralischen Grundsätzen? Wisst ihr, es ist vergleichsweise leicht, moralisch zu sei – dieses zu tun und jenes nicht zu tun. Ihr braucht nur ein moralisches System zu imitieren. Doch hinter einer solchen Moral lauert das aggressive Selbst, das wächst, sich ausbreitet, dominiert. Ist das nun Religion?
Fortsetzung folgt…

